Karatbars Scam – Beim Fälschen und Kopieren ertappt. Geht es überhaupt noch dreister? Teil 2

Akte KB/1/06.19/Ponzi

Die Skandalwelle um Karatbars International GmbH aus Stuttgart, der GSB Gold Standard Banking Corporation AG, Düsseldorf (ehemals GCC Gazella Corporate AG) sowie der vermeintlichen KaratCoin Bank reißt nicht ab. Wir erinnern uns an die nicht-existente Bank im für etwa 60 Dollar angemieteten Büro in Florida sowie an den sorfältig gescripteten Videodrehtag in Hongkong und dem angemieteten Security Vault bei der Hongkonger Schließfachfirma namens Royal England Safe Deposit Box Ltd. Es wurde scheinbar an alles gedacht, nur nicht an Details: 280 kg vermeintlichen Goldes wurden in einem Handgepäck-Koffer zur Schließfachfirma geschoben, der gerade mal in die Flugzeugkabine passt; mehrfach widersprüchliche Angaben beim “Goldbestand” – nur, nun ja, es handelte sich ja gar nicht um echtes Gold! Und ganz und gar nicht zu vergessen: Es gibt ja gar keine Goldlizenz für die angebliche Mine in Madagaskar oder Guinea oder wo auch immer… Eigentlich gibt es überhaupt kein Gramm Gold in den vorgenannten Minen, ganz abgesehen davon, dass weder die KaratCoin Bank noch die GCC, nun GSB GSB Gold Standard Banking Corporation AG, eine Mine besitzen.

Mit dreisten Lügen ergaunern sich Harald Seiz, Josip Heit, Alex Bodi ein Luxusleben. Von den Büroräumen aus in Stuttgart werden Tag für Tag zigtausende Opfer angelockt. Der Betrug basiert auf einem simplen Schneeballsystem, bekannt als das Ponzi-Schema, benannt nach dem italienischem US-Immigranten Charles Ponzi, der das Prinzip in den 20er Jahren nutzte. Er gründete eine Finanzgesellschaft mit sein Slogan: “Borg mir dein Geld und du bekommst 50 % Zinsen.” Zigtausend Menschen vertrauten ihm 65 Milliarden Dollar an. Er nutzte das neue Geld, um die alten Investoren auszuzahlen – ein typisches Schneeballsystem. Als es nicht mehr ausreichend neue Investoren gab, um die alten auszuzahlen, brach alles zusammen. Harald Seiz, Josip Heit, Alex Bodi und Co. nutzen die gleiche Technik. Regelmäßig werden Provisionen ausgezahlt auf ein Produkt, das es gar nicht gibt. So kostet das “VIP Paket” ganze 3.017 Euro und enthält nebst eine ganze Menge Papier gerade mal 0.1 Gramm sog. CashGold und wertlose 4.800 KCB Coins, denn wir erinnern uns, der Coin ist durch kein einziges Gramm Gold abgesichert.

Etwa 40 Euro kostet 1 Gramm Gold, bedeutet dass 0.1 Gramm Gold gerade mal lappige 4 Euro kosten, ganz abgesehen davon, dass CashGold Scheine nirgendwo akzeptiert werden. Über 3.000 Euro für etwa 0.1 Gramm Gold im Wert von einer Schachtel Zigarette und wertlose, durch nichts abgesicherte KCB Coins hinzublättern, ist ein typisches Merkmal illegaler Schneeballsysteme. Auf das VIP Paket werden bis zu 60 % an Provisionen ausgeschüttet, was bedeutet, dass 99,9 % der Provisionen auf neue Mittelzuflüsse gezahlt werden, und nicht auf den eigentlichen Produktwert (0.1g Gold, etwa 0.13 % des Paketwertes).

Doch hier geht es um weitaus mehr, als das Betreiben eines einzigen riesigen Ponzi-Systems. Bei Karatbars handelt es sich um einen großangelegten, gewerbsmäßigen Betrug, Diebstahl geistigen Eigentums sowie um schamlose Dokumentenfälschungen.

Karatbars, KaratGold und wie auch immer alle Firmen in diesem betrügerischen Geflecht heißen mögen, rühmen sich mit der ersten Kryptowährung, die durch echtes Gold abgedeckt sei. Dazu soll auch eine Mine in Madagaskar herhalten, die eigentlich gar keine Lizenz zur Goldexploration besitzt (wir haben bereits berichtet). Im “KBC Whitepaper” steht folgendes: “Dieses weltweit einzigartige Konzept umfasst auch die uneingeschränkte Abdeckung der Kryptowährung durch echtes Gold. Um diese reale, physische Abdeckung jederzeit gewährleisten zu können, hat KaratGold zu diesem Zweck die Beteiligung an einer voll ausgebauten, funktionierenden Goldmine in Madagaskar initiiert und diese nun erfolgreich abgeschlossen. Die Präsenz auf Madagaskar entspricht einem aktuellen Wert von bis zu 5 Milliarden Euro.” (Original: “This concept, which is unique in the world, also includes unrestricted coverage of the cryptocurrency by real gold. In order to be able to guarantee this real-physical coverage at any time, KaratGold initiated the participation in a fully developed, functioning gold mine in Madagascar for this purpose and has now successfully completed it. The presence on Madagascar corresponds to a current value of up to € 5 billion.” Ganz abgesehen davon, dass hier wieder mal geschlampt wurde, was konsistente, deckungsgleiche Angaben angeht (im Whitepaper werden der Mine bis zu 5 Mrd. Euro Wert attestiert, während im Audit sowie im Valuation-Paper von einem Fünftel des vorgenannten Wertes die Rede ist – 0.94 Mrd), baut das gesamte Konzept von Karatbars und deren Gauner Harald Seiz, Josip Heit, Alex Bodi, Ovidiu Toma & Co. auf einer dreisten Lüge auf.

Die Wahrheit ist: Der KBC und KCB Coin noch irgendeine andere Kryptowährung von KaratCoin Bank oder Karatbars sind durch einen einzigen Gramm Gold abgesichert. Das ergaben weitere gründliche Recherchen und Analysen des Investreport-Teams. Weder das Bewertungs- bzw. Valuation- noch das Audit-Paper können diese Tatsache aus der Welt schaffen.

Im Gegenteil, das Bewertungspapier unter dem Titel “Bewertung von Metallen und Bergbau / Madagaskar-Bewertung der KBC Foundation” (Im Original: “Valuation of Metals and Mining / Fort Dauphin, Madagascar Valuation of KBC Foundation”) ist ein Totalplagiat. Als Totalplagiate werden Dokumente bezeichnet – simpel ausgedrückt – die 1:1 schamlos von anderen Autoren geklaut wurden. Der Plagiat-Autor Markus Mincker aus Frankfurt am Main (“PWC & MM Revisors”, Anmerkung: Nein, PWC ist lediglich hier ein erfundener Name, damit es einen besseren Eindruck macht) fälschte im Auftrag vom Möchtegern-Saubermann Harald Seiz und seiner nicht-existenten KaratCoin Bank und absolut wertlosen Karatbit Foundation die Bewertung der Madagskar-Mine und übernahm unverändert (bis auf einen Namensaustausch) das Original-Dokument aus dem Jahre 2010 seitens Frau Svetlana Baurens aus der Schweiz, nachzulesen hier: http://docshare.tips/valuation-of-metals-and-mining-companies_57741a0cb6d87f953c8b47c5.html

Fangen wir von vorne an und sehen wir uns die Dokumentfälschung sowie die schlampigsten Fehler genauer an.

Kapitel 1 “Einleitung” (im Original: “Introduction”): Auffällig durch das gesamte Bewertungspapier hinweg sind die übergroß eingefügten Fußnoten. Auf Seite 9 und 10 wurden die Fußnoten 8, 9 und 12 vergessen. Auf Seite 7 gibt es eine Fußnote 1, jedoch keine dazugehörige Quellenangabe. Auf Seite 8 wurde ganz salopp der Original-Firmename “Antofagasta” durch “KBC” ausgetauscht. Im Original heißt es: “Chapter 8 is a practical chapter. A copper mining group, Antofagasta, is valued with different valuation methods.” In der KBC-Fälschung heißt es: “Chapter 8 is a practical chapter. A copper mining group, KBC, is valued with different valuation methods.” Dumm nur, dass die Karatbars-Fälscher vergessen haben, auch Gold zu erwähnen, und nicht nur Kupfer.

Kapitel 2 “Bewertungsmodelle in der Bergbau- und Metallindustrie” (im Original: “Valuation models in mining and metals industry”): Auf Seite 13 heißt es, dass im Bergbau mehrere Jahre (5-10) dauert, bis die Mine funktional ist, also tatsächlich Gold fördern kann. Dumm nur, dass man wieder schlampig gefälscht hat, denn im KBC Whitepaper heißt es ja, dass die Mine auf Madagaskar völlig operabel und funktional sei (“In order to be able to guarantee this real-physical coverage at any time, KaratGold initiated the participation in a fully developed, functioning gold mine in Madagascar for this purpose and has now successfully completed it.

Oben: Gefälschtes Karatbars Bewertungsdokument

Unten: Das Original von Frau Svetlana Baurens

Und natürlich hat man auch hier vergessen, auf Fußnoten zu achten (Nummer 35 fehlt).

Kapitel 3 “Bewertungen von Explorationsliegenschaften” (im Original: “

Valuations of Explorations Properties”): Auch hier wurde Buchstabe für Buchstabe unverändert übernommen, ganz zu schweigen von vergessenen Fußnoten. Spannender wird es im 4. Kapitel namens “Bedeutung der Zyklen bei der Bewertung von Bergbau- und Metallunternehmen” (im Original: “Cycle importance in valuation of mining and metals companies”). Nicht nur dass Seite 31- wie alle anderen Seiten auch – unverändert übernommen wurde, sondern hier wurde dann auch noch gefälscht: Die Illustration Nummer 3 hat als Quellenangabe die Basinvest AG aus der Schweiz, der Original-Herausgeber mit Frau Svetlana Baurens, während die Karatbars-Fälschung die richtige Quellenangabe einfach gelöscht hat und stattdessen die kroatische White Rock Firma des kroatischen Karatbars-Vorstandsmitgliedes Josip Heit angeführt hat. Auch die entsprechende Fußnote unter der Nummer 62 wurde gefälscht, indem “Basinvest” durch die Verluste schreibende “White Rock” getauscht wurde.

Im Kapitel 5, auf Seite 44, geht es mit dem Fälschen schamlos weiter. Herr Markus Minker fälscht die Fußnote Nummer 96 indem er die “Antofagasta” Original-Jahresberichte aus dem Jahre 2010 ganz plump durch “KBC” ersetzt. Natürlich haben die Karatbars-Gauner deshalb die Fußnote aus dem Original-Dokument nicht völlig übernommen, da es KBC im Jahr 2010 noch gar nicht gab.

Kapitel 6 und 7 wurden auch vollständig vom Original abgekupfert. Kapitel 8, wo es um die eigentliche Minen-Bewertung geht, wurde nicht nur vollständig kopiert sondern umfangreich gefälscht. Da es im Original-Dokument um die Mine in Chile der Firma “Antofagasta” geht, wurde dieser name überall durch “KBC” ersetzt. Des Weiteren werden die Statement-Quellenangaben sowie die Zeitangabe für die Bewertung im letzten Absatz wie folgt gefälscht: “Antofagsta” wird durch “KBC” ersetzt, die Bank “Merrill Lynch” und das Jahr “2010” durch “GCC” und “März 2014” (gemeint hier ist die GCC Gazella von Josip Heit, nun umbenannt in GSB Gold Standard Banking Corporation AG). Die Investmentfirma “Raymond James” und “FD Capital” wurden durch “White Rock Minerals” (die kroatische Firma von Josip Heit) ausgetauscht.

Im Unterkapitel 8.2 geht es dann richtig zur Sache. Die Antofagasta-Mine namens “Los Pelambres” wird durch “Fort Dauphin” ersetzt, Tippfehler werden übernommen “”Company date” statt “Company Data”, und es werden sogar die gleichen Kupfer-Mengen übernommen (442.500 Tonnen), die als “caco3 Mineral” umfunktioniert werden. Die restlichen 3 Minen werden aus der Tabelle rausgeschnitten. Man hat jedoch in allem “Fälschungsfieber” vergessen, auf die konsistente Angabe von Goldmengen zu achten. Statt 22 Tonnen Gold, wie in der manipulierten Tabelle sowie an weiteren Stellen im Bewertungspapier und im “Audit” angegeben wurde, werden lediglich 600 Kilogramm erwähnt.

Im KBC-Bewertungspapier werden des weiteren auf Seite 59 ff. Tabellen-Quellenangaben durch WR (White Rock) und GCC ersetzt und die verschiedenen Mineralien werden durch andere ausgetauscht. Auf Seite 60, Illustration 15, bedient man sich der Minen-Produktionsstätten der Firma Antofagasta und benennt daher “Antofagasta Global Operations” in “KBC Global Operations” um.

Das komplette Kapitel 8 wurde gefälscht durch oben dargestellte Manipulationen. Daher verzichten wird einfachheitshalber auf weitere Beispiele, denn jeder kann das Original und die Fälschung selber frei einsehen. Amüsant fanden wir allerdings noch die lächerlichste, oder besser gesagt, die dümmste aller Fälschungen auf Seite 66 im Bewertungspapier:

Der Aktienpreis der Firma Antofagasta wird durch “Token Price KBC” ersetzt und Bloomberg als Quellenangabe muss der Krypto-Austauschbörse HitBTC weichen. So stellt die manipulierte Tabelle dar, dass es HitBTC bereits 2004 gegeben haben muss und Kryptowährungen an Austauschbörsen auch schon vor 15 Jahren. Es war eher die Zeit von Napster, CD-Playern und mühseligen stundenlangen Downloads… In Tabelle 19 auf der gleichen Seite wird der Gewinn pro Aktie der Firma Antofagasta dann durch den Gewinn pro Token ersetzt, aber Moment mal, gab es den KBC Token bereits 2008?! Wir können nicht mehr aufhören zu lachen. Mal ehrlich, das Karatbars oder KBC Bewertungspapier ist nicht nur die schamloseste Kopie, die wir jemals gesehen haben, aber zudem auch noch die dümmste. Wir attestieren Karatbars und den Betrügern Harald Seiz, Josip Heit, Markus Mincker & Co. nicht nur Diebstahl geistigen Eigentums und Dokumentenfälschung, sondern auch einen bislang unerreichten Wert dieses Bewertungsdokuments: Ganze Nullpunkt Null. Selbst Toilettenpapier hat mehr Wert. Im Eignungstest für Betrüger fallen diese Schwindler eindeutig durch. Es hätte alles so schön sein können für Harald Seiz, Josip Heit und Co., aber das Internet lacht bereits über die die dreisten und skandalösen Machenschaften von Karatbars, KaratCoin Bank, Karatbit Foundation und der GSB Gold Standard Banking Corporation AG. Es bleibt auch spannend, was Ermittlungen in verschiedenen Ländern noch zu Tageslicht fördern werden. Wir sind uns sicher, dass hier noch reichlich Potenzial drinsteckt, den aktuellen Dummheitsrekord noch zu brechen. Im 3. Teil nehmen wir die Geldwäsche-Methoden über verschachtelte Firmen-Konstrukte sowie die Personen Harald Seiz, Josip Heit, Ovidiu Toma und Alex Bodi genauer unter die Lupe. Auf jeden Fall gilt: Finger weg von allen Firmen im KB-Geflecht: sei es von Karatbars, KaracCoin, Karatbit, KaratGold, White Rock, GCC, GSB. Der Countdown zur Schließung dieser Firmen beginnt – jetzt!

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